Blatt · Klima
Vierzig Jahre später heizt Österreich weniger — und kühlt doppelt so viel
Heizgradtage und Kühlgradtage sind das Maß, mit dem Gebäude ausgelegt und Energiemengen
abgeschätzt werden. Aus 41 Jahren Tagestemperaturen gerechnet, zeigen sie beides zugleich:
Der Heizbedarf sinkt spürbar, der Kühlbedarf hat sich verdoppelt — und in Innsbruck
ist aus zwei Hitzetagen pro Jahr ein Dutzend geworden.
Was sich verändert hat
Mittelwerte des Jahrzehnts 2015 – 2024 gegenüber 1985 – 1994, über die drei Städte gemittelt.
Jede Stadt einzeln
Links der Heizbedarf, rechts der Kühlbedarf — gleiche Skala je Spalte über alle drei Städte,
damit die Höhen vergleichbar bleiben. Gestrichelt der lineare Trend über alle 41 Jahre.
Heizgradtage (HGT 20/12)
Kühlgradtage (Basis 18,3 °C)
gestrichelt: linearer Trend
Alle Kennzahlen
Jahresmittel der beiden Vergleichsjahrzehnte. R² sagt, wie gut eine Gerade die 41
Jahreswerte beschreibt: nahe 1 heißt stetiger Trend, nahe 0 heißt, die Streuung zwischen
den Jahren überwiegt.
| Kennzahl |
1985–1994 |
2015–2024 |
Änderung |
je Jahrzehnt |
R² |
Wie das gerechnet ist
Grundlage sind Tagesmittel-, Höchst- und Tiefstwerte aus dem ERA5-Reanalysearchiv
(Open-Meteo), 1985 bis 2025, für die Koordinaten der drei Stadtzentren.
Heizgradtage nach österreichischer Konvention HGT 20/12: Ein Tag zählt,
wenn das Tagesmittel unter 12 °C liegt; sein Beitrag ist die Differenz zwischen 20 °C
Raumtemperatur und dem Tagesmittel. Kühlgradtage analog mit der Basis 18,3 °C.
Ein Jahr geht nur ein, wenn mindestens 360 Tage vorliegen.
Verglichen werden zwei Jahrzehnte statt einzelner Jahre, weil einzelne Jahre stark
schwanken. Die Trendgerade nutzt alle 41 Werte.
Was diese Zahlen nicht sind: keine Stationsmessung, sondern ein Rasterprodukt —
lokale Effekte wie die Wiener Innenstadt-Wärmeinsel sind darin geglättet. Und Gradtage
sagen nichts über den tatsächlichen Verbrauch eines Hauses: Dämmstandard, Nutzung und
Anlagentechnik wirken stärker als das Wetter. Sie sind der klimatische Anteil,
nicht die Rechnung.
Warum die Entlastung keine ist
Der Heizbedarf sinkt um 13 bis 18 Prozent — das klingt nach Ersparnis. Der Kühlbedarf
steigt aber nicht um einen ähnlichen Anteil, sondern auf das Doppelte, und er trifft
auf eine andere Infrastruktur: Geheizt wird überwiegend mit Gas, Pellets oder Wärmepumpe,
gekühlt ausschließlich mit Strom — und zwar dann, wenn alle gleichzeitig kühlen.
In absoluten Gradtagen bleibt der Heizanteil weit größer: In Wien stehen rund 2 830
Heizgradtagen etwa 380 Kühlgradtage gegenüber. Aber der Zuwachs bei den Tropennächten —
in Wien von 4 auf 13 pro Jahr — betrifft genau die Nächte, in denen Gebäude nicht mehr
auskühlen. Das ist kein Komfortthema, sondern in Pflegeheimen und Krankenhäusern ein
Planungsthema.
Daten: ERA5-Reanalyse über die Archiv-Schnittstelle von Open-Meteo, abgerufen am 14. August 2026.
Gradtage, Jahreswerte und Trends aus den Tagesdaten gerechnet; alle Zahlen dieser Seite stammen
aus derselben Rechnung.
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